eCall in Deutschland

eCall in Deutschland

eCall ist ein von der Europäischen Union ausgearbeitetes automatisches Notrufsystem für Kraftfahrzeuge, das voraussichtlich ab Oktober 2015 europaweit zum Einsatz kommt. Dabei werden unter anderem die Automobilkonzerne dazu verpflichtet spezielle Geräte in den Fahrzeugen zu installieren, die bei einem Unfall automatisch ein Signal an die Notrufzentrale weitergeben. Mit dem eCall soll die Anzahl an Verkehrstoten gesenkt werden.

Funktionsweise des eCall

eCall Notruf

Beim eCall-System wird bei einem Unfall automatisch der Notruf gerufen. (c) Guenter Hamich / pixelio.de

Die Technik vom eCall funktioniert im Detail nach folgendem Prinzip: Bei einem Unfall wird automatisch die Euronotrufnummer 112 gewählt, die einen Minimaldatensatz an eine Notrufzentrale weiterleitet. Dieser Datensatz beinhaltet unter anderem den Unfallzeitpunkt, die exakte Lage des Fahrzeugs am Unfallort, die Fahrtrichtung sowie Fahrzeug-Kennung, Service Provider-ID und den eCall-Qualifier. Es ist auch möglich Daten über das interne Bord-Sicherheitssystem des Autos abzurufen, wodurch die Notrufzentrale in der Lage ist festzustellen, ob zum Beispiel die Fahrzeuginsassen angeschnallt waren oder die allgemeine Elektronik im Kraftfahrzeug optimal funktionierte. Ob die Fahrer gegen mögliche Regeln, die im Bußgeldkatalog stehen, verstoßen haben, wird mit dem eCall nicht aufgedeckt. Daraufhin wird im Anschluss des eCall eine sprachliche Verbindung zum Unfallopfer ausgebaut, um zu erfahren, wie schwer die Personen in dem Kraftfahrzeug verletzt sind und gegebenenfalls mit telefonischen Anweisungen Erste Hilfe leisten zu können. Die betroffenen Personen werden dadurch auch beruhigt, sodass sie wie in vielen Fällen nicht auf sich alleine gestellt sind.

Vermeidung von Unfalltoten

eCall - Unfalltotw

Mit dem eCall soll die Anzahl an Verkehrstoten minimiert werden. (c) NicoLeHe / pixelio.de

Durch das eCall soll die Anzahl der Unfalltoten im Verkehr gesenkt werden. Der Notruf an die jeweilige Zentrale kann auch manuell ausgeführt werden, wobei sich bei Betätigung des Signals automatisch eine Sprachverbindung zu der verantwortlichen Stelle aufbaut. Das eCall-System wird in ganz Europa aufgebaut, wodurch zum Beispiel ein Autofahrer aus Deutschland bei einem Urlaubsaufenthalt in Italien mit der örtlichen Notrufzentrale verbunden wird, die daraufhin einen Rettungswagen entsendet, um dem Unfallopfer zur Hilfe zu kommen. Solch ein intereuropäischer Zentralnotruf war bisher nicht möglich. In Deutschland wurden erste Systeme bezüglich eines automatischen Signals in Kraftfahrzeugen von der Bundesanstalt für Straßenwesen schon 1982 getestet. Die Firma AEG-Telefunken entwickelte eine spezielle Technik, die einen sogenannten Auto-Notruf ermöglichte, falls ein Fahrzeug im Verkehr verunglückte.

Debatte über Datensätze

Ein wichtiger Kritikpunkt des eCall ist die Datensammlung. Die Notrufzentralen können bei einem Unfall eine Vielzahl an Daten sammeln und verwenden. Neben den technischen Aspekten eines Fahrzeugs wird auch der Ort des Autos oder Lkws gespeichert und weitergeleitet. Dadurch wird der Autofahrer zunehmend zu einem gläsernen Bürger, der während seiner Fahrt theoretisch auch ohne Auslösen des Notfallmechanismus jederzeit geortet werden kann. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Geheimdienste aus den USA (hier erfahren Sie mehr) und Großbritannien eine Vielzahl von Datensätzen anzapfen, stellt die neue Unfalltechnik ein Risiko für die Privatsphäre der Bürger da. Nun kann man sehr leicht verfolgen, wo und wann sich jemand aufgehalten hat. Die Datenschützer weltweit warnen vor dem leichtfertigen Umgang mit privaten Daten und schlagen einen besseren Schutz vor dem Missbrauch vor.

Vor- und Nachteile vom eCall

Die potenzielle Einschränkung der Privatsphäre eines Kraftfahrzeughalters ist ein negativer Aspekt des eCall. Jedoch wird dadurch die Zahl der Unfalltoten im Verkehr vermindert. Schlussendlich überwiegt die zunehmende Vermeidung von Toten im Straßenverkehr, dass jedoch zu keinem Blankocheck gegenüber dem Datenschutz führen sollte.


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